Schönheitsideale oder: die „Alien- Theorie“

Vor kurzem saß ich in der Straßenbahn. Ich war gerade mit dem Bus von München nach Wien gefahren und nun auf meinem Heimweg mit der Linie 6 am Wiener Gürtel unterwegs. Da überkam mich ein seltsames Gefühl bzw. eine eigenartige Sichtweise…

Das Alien- Paradoxon

Bereits müde und erschöpft von der 5stündigen Fahrt, zudem war es bereits kurz vor Mitternacht, saß ich auf einem gepolsterten Sessel der Straßenbahn, neben mir mein Köfferchen. Plötzlich schlenderte ein großer, schlaksiger Mann an mir vorbei.

Ich musste zweimal hinsehen. Hatte ich gerade ein Alien gesehen?! Ich blickte erneut hin, es war noch immer der große, hagere Mann, der sich mittlerweile auf einen Sessel in Fahrtrichtung gesetzt hatte. Tatsächlich erinnerte mich seine schlanke, langgliedrige Figur an die eines Außerirdischen. Ich beobachtete nun die anderen Fahrgäste. Auch die Gesichter und Körper der anderen Straßenbahn – Fahrgäste sahen zunehmend aus wie die von Außerirdischen. Ich ließ meine Gedanken schweifen und überlegte kurz. Wäre ich ein Außerirdischer, von einem anderen Planeten eines anderen Sonnensystems einer fernen Galaxie… würden mich diese langen und schlaksigen, humanoiden Körper mit ihren runden Kugelbäuchen ganz schön belustigen. Zudem besitzt die Form von Außerirdischen hier auf der Erde große, wache Augen, die einem in die Seele blicken können… Ganz schön gruselig.

Mehr als nur Materie… oder?

Denn hinter diesen Augen befindet sich mehr als bloß Materie- hier findet man das ungelöste Phänomen des Lebens. Sind wir bloß ein langgliedriger Fleischklops mit Kugelbauch und einem Gehirn, das uns steuert- alles messbar und fest? Oder besitzen wir doch so etwas wie eine Seele oder gar einen Geist? Oder vielleicht beides?!

Body- Shaming

Lara100

Während meine Gedanken ins Philosophische abschweifen erinnere ich mich an meine ursprüngliche Erkenntnis darüber, dass wir alle verdammt komisch/witzig aber gleichzeitig auch ein wenig gruselig aussehen. Ich spinne den Faden weiter. Sind nicht unsere Kleidung und unser Haar einfach nur da um seinen Zweck zu erfüllen? Nämlich uns vor Kälte und Wetter zu schützen? Ganz eventuell um unsere Scham zu bedecken? Wobei das ja auch schon wieder ein menschliches Phänomen ist… nämlich, dass wir uns für unseren Intimbereich und unsere Nacktheit schämen. Genau wie für unseren Körper allgemein. Body- shaming!

Aus meiner extraterrestrischen Perspektive sind wir alle mehr oder weniger gleich, wir sind zwar unterschiedlich groß bzw. klein und eventuell ist der eine etwas runder als der andere aber im Großen und Ganzen ähneln wir uns stark.

Schönheitsideale

Unsere Kleidung erfüllt also ihren Zweck. Und auch die fällt ja meist relativ gleich aus. Männer sowie Frauen, also alle Bewohner des Planeten Erde, tragen einen engen Schutz, der sich um Beine und, meist etwas lockerer fallend, um die Taille schmiegt. Kurz: Jeans und T-Shirt. „Sieht eigentlich alles gleich aus,“ schnellt es mir in meine Gedanken, als zwei Männer, einer in schwarz- weiß und etwas fester gebaut, einer nur in schwarz und ein wenig schlanker sowie größer, an mir vorbei gehen. Gibt es denn überhaupt so etwas wie Schönheitsideale? Aus meiner Alien- Perspektive heraus kann ich mir diese Frage mit Leichtigkeit beantworten: Nein. Es gibt sie nicht. Ob jetzt ein Gesicht ein wenig symmetrischer ist als das andere oder aber der Kugelbauch etwas kleiner oder größer ist, ob die abgestorbenen Zellen, die aus unserem Kopf wachsen besonders lang sind oder aber die seltsam durchblickenden, mit Leben gefüllten ovalen Augenschlitze besonders groß und eventuell sogar blau sind (wie kommt da überhaupt die blaue Farbe herein?!)- es macht doch schließlich kaum einen Unterschied.
Auch extrem schlaksige, also „dünne“ Aliens sind nicht unbedingt schöner als die mit Rundungen. Und außerdem auch bestimmt nicht besser geschützt- vor Wind und Kälte oder den anderen Gefahren, die das Leben auf der Erde so mit sich bringt.

Egalité!

Mir wird bewusst, dass wir einfach alle gleich sind. Die meisten von uns haben zwei lange Arme und Beine, daran befinden sich Hände und Füße mit, im Normalfall, exakt zehn Fingern bzw. Zehen, zudem haben die allermeisten von uns nur EINEN Kopf aus dem zwei Augen glupschen. Wir haben eine Nase, einen Mund und Zähne. So etwas wie „Schönheitsideale“ gibt es nicht. Es ist eine Erfindung der Menschheit. Eine verfestigte, weltliche und künstliche Konstruktion. Jedoch sind wir alle auf eine Art und Weise manipuliert zu glauben, dieses und jenes wäre schön während das Gegenteil für Hässlichkeit stünde.
Wer definiert eigentlich was schön ist und was nicht?

Persönliche Schönheitsideale

Larablueeyes

Als Kind wollte ich am liebsten wie meine Cousine aussehen: klein, blond, zart und mit großen blauen Augen sowie geschwungenen roten Lippen. Ich hingegen war groß, kräftig und hatte braune Augen. In meiner Pubertät kamen dann die körperlichen Schönheitsideale dazu, groß und dünn zu sein war mein Wunsch. Ich wollte drahtige Arme, an denen die Adern hervorstachen, einen flachen, muskulären Bauch, flache Brüste (dazu sehen lange Ketten einfach wesentlich besser aus……) und dünne Beine. Ich wollte also aussehen, wie Madonna bei ihrem Comeback im Jahre 2008. Nur bitte mit den Beinen von Cara Delevigne und dem puppenhaften Gesicht meiner 5- jährigen Cousine. Wow. „A dream come true“.

Hungerkur für die Schönheit

Nachdem ich mich dann bei einer Größe von ungefähr 1,65m auf 37kg heruntergehungert hatte und 4- 5 Mal die Woche Sport trieb, war es wirklich nicht mehr lustig. Langsam sah ich tatsächlich aus wie meine Wunschvorstellung. Fehlten nur noch ein paar Zentimeter an Größe und die blauen Augen. Also ab in die Highheels und schnell zum Optiker blaue Kontaktlinsen kaufen. Dann wäre ich perfekt! Doch soweit sollte es dann doch nicht kommen. Ich nahm zu und wurde plötzlich wieder etwas, das ich mit 37kg nicht mehr war, nämlich glücklich und zufrieden. Ich konnte wieder essen, traf mich nach längerer Sendepause wieder mit meinen Freundinnen, fand meine Mitte. Ich war wieder natürlich, schön und vollkommen. Denn ich war einfach nur ich selbst.

Adieu Schönheitsideale!

Müssen wir denn auch wirklich alle gleich aussehen? Wie eine Armee von Angelina Jolies, Kendall Jenners oder Gigi Hadids? Ist es nicht wunderschön, dass uns immerhin kleine Unterschiede voneinander abheben, wo wir doch sowieso schon alle so gleich sind?!

Ich glaube auch, dass wir unseren Körper nicht so ernst nehmen sollten. Es ist bloß unser Äußeres. Außerdem, zerlegt man unseren Körper in seine Bestandteile, ist unsere Hülle doch wirklich nur ein Haufen Fleisch, Knochen, Haut, Haare und Blut. Mehr ist es nicht. Strahlen wir von innen heraus, weil wir glücklich sind, macht das wesentlich mehr aus. Und mit einer guten Ernährung (Lesetipp: „Der Ernährungskompass“ von Baz Kast) wird auch der Körper recht schnell gesund und wir fühlen uns wieder wohl, ausgeglichen und glücklich.

– Lara
Herzi

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